ChatGPT für die Reiseplanung: was er kann und wo du nacharbeiten musst
Was in diesem Beitrag steht
ChatGPT plant dir einen Städtetrip in wenigen Minuten, und als Entwurf taugt das meistens. Nacharbeiten musst du bei allem, was heute gilt: Öffnungszeiten, Wege, Preise. Er kann zwar im Netz suchen, tut das aber nicht bei jeder Frage von selbst — und er weiß nicht, wo du gerade stehst.
Wir haben im Urlaub jeden Morgen ungefähr zwei Stunden mit genau solchen Fragen verbracht, bevor wir überhaupt aus der Tür kamen. Uns interessiert die Sache deshalb nicht theoretisch: Wir bauen mit Travel Buddy selbst einen Reiseassistenten und müssen wissen, welche Arbeit danach noch übrig bleibt.
Wofür lohnt sich ChatGPT bei der Reiseplanung?
Für den Entwurf. Wenn du noch nicht weißt, wie die Tage aussehen sollen, kommt auf eine gut gestellte Frage eine brauchbare Aufteilung nach Stadtvierteln zurück. Das ist genau die Arbeit, für die man sonst abends acht Reiseblogs nebeneinanderlegt.
Für Hintergründe. Wer etwas gebaut hat, warum es dort steht, was daran besonders ist. Das ändert sich nicht mehr, alte Daten schaden hier also nicht.
Für die Gegenprobe. „Schaffe ich diese fünf Stopps an einem Nachmittag?" beantwortet ein Sprachmodell erstaunlich gut. Es rechnet Wege grob nach und merkt, wenn zwei Ziele an entgegengesetzten Enden der Stadt liegen.
Für die Sprache. Speisekarten, höfliche Floskeln, wie man um die Rechnung bittet. Dafür braucht heute niemand mehr etwas anderes.
Wo musst du bei ChatGPT nacharbeiten?
Bei allem, was sich seit gestern geändert haben kann.
ChatGPT darf inzwischen im Netz suchen und Quellen verlinken (OpenAI über die Websuche). Das heißt aber nicht, dass bei jeder Frage gesucht wird — was dir zur Verfügung steht, hängt auch von deinem Tarif und deinen Einstellungen ab. Und wenn gesucht wurde, bleibt die Frage, worauf sich die Antwort stützt. Eine aktuelle Restaurantseite sagt mehr aus als ein Reisebericht von vor drei Jahren.
Selbst nachsehen würden wir vor allem bei:
- Öffnungszeiten und Ruhetagen. Der häufigste Grund, vor einer verschlossenen Tür zu stehen.
- Der Frage, ob es den Laden noch gibt. In der Gastronomie wechseln Betreiber schnell, und ein Restaurant, das vor Jahren überall empfohlen wurde, steckt entsprechend oft in älteren Texten.
- Preisen, die im Text stehen.
- „In der Nähe". Das Modell weiß nicht, wo du bist, wenn du es nicht dazuschreibst.
Dazu kommt eine Sache, die man leicht übersieht: Ein Chatbot schlägt dir vor, was häufig empfohlen wird. Das ist nicht falsch, aber es ist selten die Seitengasse. Wenn du bewusst etwas anderes suchst, musst du danach fragen.
Ein Vorschlag ist noch keine Entscheidung. Und ein höflich formulierter Satz ist kein Beleg dafür, dass jemand nachgesehen hat.
Wie stellst du eine gute Reisefrage?
Mit vier Angaben, die fast immer fehlen: wo du bist, wie viel Zeit du hast, was es kosten darf, und was du nicht willst.
„Heute gegen 19 Uhr, vegetarisch, höchstens 15 Minuten zu Fuß vom Hauptbahnhof, bis 25 € pro Person, nichts mit Warteschlange. Drei Vorschläge mit Kartenlink — und bitte dazuschreiben, woher die Öffnungszeiten stammen."
Das ist der Unterschied zwischen „die besten Restaurants" und etwas, mit dem du weiterkommst. Die letzte Angabe wird am häufigsten vergessen und verändert das Ergebnis am stärksten: Wer „keine Warteschlange" oder „nicht länger als eine Stunde sitzen" dazuschreibt, bekommt eine völlig andere Liste.
Was danach trotzdem bleibt, ist die Prüfarbeit. Und die fällt bei jeder neuen Frage wieder an — das ist der eigentliche Aufwand, nicht das Tippen.
Wann lohnt sich ein eigener Reiseassistent?
Wenn sich diese Prüfarbeit oft genug wiederholt.
Ein Allzweck-Chatbot startet jedes Gespräch bei null. Du erklärst dein Budget, deinen Standort und deine Abneigungen immer wieder. Unterwegs, mit halbvollem Akku und zwischen zwei Terminen, ist das genau die Reibung, die dazu führt, dass man dann doch das Lokal an der Ecke nimmt.
Genau dafür bauen wir Travel Buddy. Buddy fragt am Anfang einmal nach Reisestil, Budget und Vorlieben. Danach musst du das nicht bei jeder Anfrage neu erklären.
Für Restaurant-Empfehlungen recherchiert er neu und gleicht die Adressen mit Kartendaten ab, bevor du sie siehst. Du bekommst zwei oder drei Vorschläge statt einer Liste mit dreißig Treffern. Willst du es näher, ruhiger oder lieber draußen, schreibst du das im selben WhatsApp-Chat weiter. Und wenn du vor einem Gebäude stehen bleibst, kannst du dir seine Geschichte als Audio-Guide erzählen lassen — als Sprachnachricht, ohne dass du eine App installierst.
Zwei Dinge kann er nicht: Den Tisch reservierst du selbst, und von allein meldet er sich nicht. Auch recherchierte Öffnungszeiten sind keine Garantie — wir können nur abfragen, was die Quellen hergeben, und auch da wird mal kurzfristig geschlossen.
Dafür zahlst du einen Pass mit fester Laufzeit, den du im Chat startest. Er endet von allein, du musst nichts kündigen.
Was alles zum Pass gehört, steht auf der Funktionsseite.
Woran merkst du, ob sich das für dich lohnt?
Probier es mit einer Frage aus, die du gerade wirklich hast — nicht mit einer ausgedachten. Etwa beim nächsten Städtetrip, wenn zwei Stunden übrig sind und du nicht weißt, wohin.
Drei Dinge entscheiden dann:
- Passen die Vorschläge zu deinem Budget und deinem Tempo?
- Reichen die Angaben, um dich zu entscheiden — oder musst du danach doch wieder googeln?
- Kommst du mit einer Änderung weiter, ohne von vorn anzufangen?
Wenn du danach weniger suchst und vergleichst, hat der Assistent seine Arbeit gemacht. Daran wollen wir uns messen lassen. Und wenn nicht: Für die Vorbereitung zu Hause reicht ein Allzweck-Chatbot völlig aus. Etwas anderes zu behaupten wäre albern.
Häufige Fragen
Kann ChatGPT aktuelle Öffnungszeiten herausfinden?
Er kann im Netz suchen und Quellen verlinken, tut das aber nicht bei jeder Frage automatisch. Bitte ausdrücklich darum und sieh dir an, worauf sich die Antwort stützt. Bei Öffnungszeiten würden wir uns trotzdem erst auf die Seite des Lokals verlassen.
Reicht ChatGPT als Reiseführer vor Ort?
Für Hintergründe zu Gebäuden und Geschichte ja. Für Entscheidungen unterwegs fehlen ihm dein Standort und die Prüfung, ob es den Laden heute noch gibt. Beides musst du selbst beisteuern.
Was ist besser: ChatGPT oder eine Reise-App?
Das hängt davon ab, wie oft du fragst. Für ein paar Entwürfe vor der Reise ist ein Allzweck-Chatbot völlig ausreichend und kostet nichts. Sobald du unterwegs mehrmals täglich etwas zusammensuchst, zählt, ob dein Werkzeug deine Vorgaben schon kennt.
Kann ChatGPT einen Audio-Guide vorlesen?
Vorlesen ist etwas anderes als recherchieren. Ein Text muss erst entstehen, bevor ihn jemand vorlesen kann — und ob er zu dem Gebäude passt, vor dem du gerade stehst, hängt daran, was das Werkzeug über deinen Standort weiß.
Zum Mitnehmen
- Für den Entwurf und für Hintergründe reicht ein Allzweck-Chatbot völlig
- Ort, Zeit, Budget und eine Abneigung immer dazuschreiben — sonst wird geraten
- Öffnungszeiten, Preise und die Existenz des Ladens selbst nachsehen
- „Bist du sicher?" ist eine Rückfrage, keine Prüfung
- Je öfter du unterwegs fragst, desto mehr lohnt ein Assistent, der deine Vorgaben schon kennt
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